Internationales Expertenforum Wolfsabwehr

INTERNATIONALES EXPERTENFORUM WOLFSABWEHR


1. Internationales Expertenforum zum Thema Wolfsabwehr


Was,wer,wann und warum Wolfsabwehr


 

Das 1. Internationale Expertenforum der Firma horizont mit dem Schwerpunkt Herdenschutz/Wolfsabwehr" fand am 12. Mai mit Unterstützung der Zeitschrift Schafzucht in Korbach im mit über 110 Teilnehmern voll besetzten Veranstaltungszentrum des Hotels Goldflair statt. Um sich über die von der Politik gewünschte Rückkehr des Wolfs und Vorkehrungsmaßnahmen zum Schutz von Menschen und Tieren auszutauschen, hatte die Firma horizont group gmbh, Korbach zum 1. Internationalen Expertenforum nach Korbach, dem Sitz des Stammhauses eingeladen. Teilnehmer aus Deutschland, Niederlanden, Slowenien und Italien machten deutlich, dass das Thema "Wolfsabwehr" kein rein deutsches Thema ist.

Die Firma horizont group gmbh produziert am Firmensitz in Korbach, Hessen und an fünf weiteren internationalen Standorten seit 70 Jahren Produkte zum Schutz von Mensch und Tier und gehört damit zu den führenden internationalen Anbietern im Bereich Weidezaun, Tierzucht und Reitsport sowie zu den drei größten Anbietern im Bereich der Straßensicherheit. Derzeit werden 420 Mitarbeiter beschäftigt.

 

Nach der Entscheidung der Politik, den Wolf wieder in die Natur und den Lebensraum zu integrieren, wurden zwar vereinzelte Initiativen wie die Benennung von Wolfsberatern in Niedersachsen oder die Erweiterung der finanziellen Entschädigung auf den Weg gebracht. Um die sich aus der Integration des Wolfs entstehenden Folgen für Tierhalter zu kompensieren reichen diese aber bei weitem nicht aus. Dies war das zentrale Ergebnis des 1. Internationalen Expertenforums zum Thema Wolfsabwehr.

Fünf zentrale Probleme zum Thema Wolfsabwehr

Fünf zentrale Probleme zum Thema Wolfsabwehr Fünf zentrale Probleme und Herausforderungen für alle Beteiligten und Betroffenen kristallisierten sich im Laufe des Tages heraus:

1) Förderungspraxis für von Wolfsübergriffen betroffene Tierhalter ist zu langwierig, unterscheidet sich zwischen den einzelnen Bundesländern und schließt einzelne Tierarten (z.B. Pferde) aus.

2) Internationale und Nationale Erfahrungen wie z.B. aus Sachsen oder aus den wesentlich stärker von Wolfsbesatz betroffenen Ländern wie Italien oder Slowenien werden bisher nicht berücksichtigt.

3) Kommunikation und Information über das Verhalten des Wolfs und den sich daraus ergebenden Gefahren für Mensch und Tier reichen noch lange nicht aus.

4) Vorhandene Maßnahmen werden angesichts des in den nächsten Jahren stark zunehmenden Wolfsbesatzes deutlich aufgestockt und professionalisiert werden müssen, da mit einem deutlichen Anstieg der Wolfspopulation in Europa gerechnet wird.

5) Weitere Tierarten (Waschbären, Luchse, Wildschweine) werden den Druck und die Notwendigkeit, Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Tier zu entwickeln, weiter erforderlich machen.

Diese zentralen Ergebnisse konnten am Ende des von allen Teilnehmern als überaus erkenntnisreichen und interessanten 1. Internationalen Expertenforums der Firma horizont im Anschluss an die Podiumsdiskussion zusammengetragen werden. "Es ist überaus überraschend, dass erst die Firma horizont kommen muss, um die vorhandenen Erkenntnisse auf internationaler Ebene zusammenzutragen. Dies war schon lange überfällig" fasste einer der 110 Teilnehmer die zahlreichen Beiträge des Tages zusammen.

Sechs Vorträge zum Thema Wolfsabwehr aus Expertensicht

Nach Begrüßung der Gäste durch den Geschäftsführer der horizont group gmbh Herrn Dieter Hake und den Redakteur der Zeitschrift Schafzucht Günther Dierichs folgten sechs Vorträge von Praktikern und Experten aus Deutschland, Slowenien und Italien.

Frank Faß
Wolfscenter Dörverden

Die Ausbreitung des Wolfes, seinen Lebensraum und sein Verhalten erläuterte Frank Faß vom Wolfscenter Dörverden in seinem Vortrag. Herr Faß klärte die Besucher intensiv über Verhalten und Ökologie der Wölfe auf. Sehr interessiert hörten die Besucher von der Lebensweise des europäischen Grauwolfs, dessen sozialer Organisation, der Abwanderung, von den Reviergrößen, der Fortpflanzung und der Sterblichkeit. Welche Feinde hat der Wolf, wie ist das Jagdverhalten und welchen Unterschied gibt es zum Haushund. Was passiert bei Tollwut bei Wölfen.

Dr. Regina Walther
Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband

Über den Herdenschutz von Schafen aus dem Pilotgebiet Sachsen berichtete Frau Dr. Regina Walther vom Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband. Die Entwicklung der Wolfpopulation in der Lausitz begann Ende der 90er Jahre, als ein Wolfspaar aus Polen sich dort ansiedelte. Damals nannte man es "Gottes Geschenk" heute ist es zu einem großen Problem für Nutztierhalter geworden. Deshalb hat das Bundesland Sachsen als erstes mit staatlichen Hilfen begonnen, die Tierhalter bei Schäden zu unterstützen. Das neu entwickelte Wolfsabwehrsystem von horizont wurde in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband speziell gegen den Wolf erfolgreich eingesetzt.

Boris Grabrijan
Stellv. Vorsitzender des Slowenischen Schaf- und Ziegenzuchtverbands

Erfahrungen zum Wolf in Slowenien brachte Boris Grabrijan, Stellv. Vorsitzender des Slowenischen Schaf- und Ziegenzuchtverbands den Zuhörern näher. Dort hat man nicht nur mit dem Wolf zu tun, sondern auch Braunbären gefährden den Tierbestand der Nutztierhalter. Hier hat man gute Erfahrungen bzgl. des Schutzes vor dem Wolf mit dem Einsatz von istrischen Eseln gemacht, was aber auf Deutschland nicht übertragbar ist. Esel sind Wüstentiere und benötigen überwiegend trockenes Futter und trockene Böden. Außerdem werden bis zu 4-5 Eseln pro Herde benötigt, was angesichts der Größe in einzelnen Gebieten in Deutschland nicht praktikabel ist.

Benno Spilker (über die Situation in Italien)
Produktmanager von horizont group gmbh

Über den Wolf in Italien berichtete der Produktmanager von horizont group gmbh Benno Spilker, da der Referent leider kurzfristig erkrankt war. In Italien werden Baustahlmatten mit vorgelagertem Elektrozaun für den Schutz der Nutztiere verwendet. Auch diese Erfahrungen sind nur begrenzt auf das dicht besiedelte Deutschland übertragbar, da sowohl Landschaftsschutz und Ästhetik gegen diese teilweise bis zu 5 Meter in die Luft ragenden Stahlmatten sprechen.

Benno Spilker
Produktmanager von horizont group gmbh
Von Projekterfahrungen zum Wolfsabwehrnetz von horizont group gmbh berichtete ebenfalls Benno Spilker. Die Netze werden bereits in allen Wolfsgebieten erfolgreich angewendet. Die neuen Netze wurden an verschiedenen Standorten mit unterschiedlichen Bedingungen getestet auf:
• Überspringsicherung durch zusätzliches 20mm Weidezaunband
• Leistungserhöhung durch zusätzlichen Erdleiter im 20mm Weidezaunband
• Gerät mit Erdung in einer Ecke und zusätzliche Erdung an Eckpunkten der Weide
All dies macht die Netze zu einem sicheren Schutz vor dem Wolf.

Markus Bathen
Wolfsexperten beim NABU
Auch der NABU war während der Veranstaltung anwesend und beteiligte sich mit einem eigenen Vortrag durch den Wolfsexperten beim NABU Herrn Markus Bathen an der Aufklärung und Beseitigung von Ängsten: "Kümmern wir uns gemeinsam darum, dass der Wolf in Deutschland eine sichere Heimat findet" war das Thema. 150 Jahre war der Wolf in Deutschland ausgerottet und jetzt kehrt er langsam zurück. Im Jahr 2000 wurden die ersten Wolfswelpen in der Lausitz geboren, mittlerweile leben dort über dreißig Wolfsrudel. Mit dem Projekt "Willkommen Wolf" engagiert sich der NABU seit 2005 um die Wiederkehr des Wolfes.



Alle Vorträge wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, viele Fragen wurden gestellt und im Anschluss an die Vorträge in einer Podiumsdiskussion mit allen Referenten, sowie Herrn Dierichs von der Redaktion Schafzucht und Herrn Hake diskutiert.
Nach einem sehr interessanten Tag konnten sich alle Teilnehmer noch einen original aufgebauten Zaun ansehen und Fragen stellen.

Impressionen Forum Wolfsabwehr